Dorfmuseum Kienberg

Vermächtnis eines leidenschaftlichen Sammlers.

Die Sammlung dieses kleinen, aber in seiner Art besonderen Museums beinhaltet wertvollste Exponate aus dem Familienbesitz der Kienberger Bevölkerung und der nächsten Umgebung. Sie umfassen den Lebensbereich vom 17.- bis zum 20. Jahrhundert.
Zu sehen sind Mobiliar, Urkunden, Bilder, Bücher und Fotografien sowie eine große Sterbebildersammlung. Das kleine Museum ist im Besitz einzigartiger ellenlanger Musterbänder als Vorlagen für das Stricken, Sticken und Häkeln sowie entsprechender schöner Handarbeiten. Ebenso antike Exponate übers Weben und die Klöppelkunst, Kleidung, Trachten, Trachtenzubehör und Schmuck, alte Gerätschaften des täglichen Lebens und vieler Berufszweige.
Besondere Sammlungen widmen sich der Kirche, dem sakralen Leben, der antiken klösterlichen- sowie neuzeitlichen Haarkunst, der Schule, dem Postwesen, den beiden Weltkriegen und der Nachkriegszeit.

Besichtigung des Museums in Kienberg,
Gasthof „Zur Post“, 1. Stock
Besuchszeiten nach tel. Vereinbarung unter: 08628 752 und 08628 694

Ein paar Details zur Geschichte des Dorfmuseums:
Michael Steinberger, ein Spätheimkehrer aus Russland nach dem 2. Weltkrieg, sammelte und bewahrte alles aus Kienberg und der näheren Umgebung, was sonst der Modernisierungslust vieler Dorfbewohner zum Opfer gefallen wäre. Seine schon damals beachtliche Sammlung fand glücklicherweise einen Raum im Keller des Schulhauses. Interessierten zeigte Steinberger gerne seine Schätze. Im Laufe der Zeit wurde durch mehr Exponate der Platz äußerst beengt. Die Aussicht auf eine größere Ausstellungsfläche war vorerst gering.
Zur Unterstützung und Fortentwicklung der Sammlung gründete sich am 30.03.1996 der gemeinnützige Verein „Dorfmuseum und Heimatgeschichte Kienberg e.V.“. Die Ideen zu etlichen Ausstellungen mit schönen Dingen aus Höfen und Häusern der Gemeinde wurden umgesetzt in Räumen der Schule und des Gasthofs. Bewerkstelligt wurde die umständehalber immer nur kurzzeitig begrenzte Ausstellung (Schule, Gasthof!) durch viele begeisterte aktive Vereinsmitglieder. Da in Kienberg auch etliche Künstler beheimatet sind gab es einige Ausstellungen die sich der Kunst und dem Hobby widmeten.
Im Laufe der Zeit wuchs die Exponaten-Sammlung beträchtlich an. Um sicher zu gehen, dass die Museumsstücke auch in Zukunft für die Bevölkerung zugänglich sind schenkten Michael Steinberger und seine Gattin alles Angesammelte der Gemeinde. Mit Unterstützung des Vereinsvorstandes und Gemeindevertreter wurde die Schenkung notariell am 21. April 1999 besiegelt.
Zur großen Freude des Vereins erwarb die Gemeinde im Jahre 2012 den zum Verkauf angebotenen ehrwürdigen und dorfprägenden Gasthof zur Post. Der in der Zeit amtierende Bürgermeister machte dem Vereinsvorstand Hoffnung, dass nach Renovierung und entsprechendem Gemeinderatsbeschluss größere Museumsräume im Gasthof zur Verfügung gestellt werden können. Mittlerweile war der Bedarf für Mittagsbetreuung in der Schule so groß geworden, dass das Dorfmuseum weichen musste. 6 Jahre lang lagerten die musealen Schätze der Gemeinde Kienberg in Kisten verpackt auf einem Dachboden. Im Jahre 2020, zu Pfingsten, war es nach etlichen Hindernissen soweit: das Kienberger Dorfmuseum durfte in den großartig neu renovierten Gasthof umziehen. Aktive des Vereins übernahmen mit Freude die Reinigung, Ausbesserungsarbeiten und Gesamt-Einrichtung der Exponate. Durch die Bestimmungen der Pandemie mit Covid 19 verzögerte sich diese umfangreiche Arbeit bis heute entsprechend.

Michael Steinberger

Michael Steinberger, geb. 1912, war einer der letzten russischen Kriegsheimkehrer. Nach seiner Erzählung konnte er die harten Jahre der Kriegsgefangenschaft ein wenig abmildern durch sein handwerkliches Geschick. Er war auch musikalisch begabt; eine u.a. in Gefangenschaft selbst gebaute Zither gibt davon Zeugnis. Verheiratet war er mit Anny Steinberger, Tochter des damaligen Gastwirts Zur Post. Nach seiner Rückkehr sah er die große Erneuerungstätigkeit in vielen Höfen und Häusern, der auch viel Traditionelles und Wertvolles zum Opfer fallen sollte. Er begann so viel er bekommen konnte zu sammeln.
Michael Steinberger war nicht nur begeisterter Sammler antiker Stücke aus seiner Gemeinde, er war u.a. begeisterter Forscher in Familien- und Hofgeschichten. Als Chronist schrieb er Berichte über Begebenheiten des Gemeindelebens, vor allem über Vereine. Seine Vorbilder waren der innovative Lehrer Max Humpl und der Pfarrer Otto Heichele. Steinberger war lange Jahre Organist und begeisterter Zitherspiel bei Veranstaltungen. Er war auch Ortsheimatpfleger. Kenntnisreich zeigte er besonders gerne Schülern und allen Interessenten seine Museumsschätze. Es war sein großer Wunsch sicher zu stellen, dass für den mittlerweile gegründeten, unterstützenden Verein „Dorfmuseum und Heimatgeschichte“ und künftige Generationen seiner Gemeinde, das Museum dauerhaft zugänglich gemacht wird. Sein Wunsch wurde mit notariell besiegelter Schenkung erfüllt.
Altersmäßig zog sich Michael Steinberger nach und nach ein wenig zurück und übergab die Obhut seines Museums an seinen Freund, neuen Ortsheimatpfleger und damaligen Vereinsvorsitzenden.

Michael Steinberger, Ehrenbürger ob seiner überragenden Verdienste in Kirche und Gemeinde, verstarb hoch betagt überraschend am 5. November 1999. Am 10. August 2005 verstarb auch seine Ehefrau Anny im Alter von 91 Jahren.